Marquardt funkt Autoknackern dazwischen

    Fahrzeuge mit Keyless können mit Lichtgeschwindigkeit gesichert werden

    Er ist zwei mal zwei Millimeter groß und bringt Autodiebe zum Verzweifeln: Der winzige Chip, neben dem ein 1-Cent-Stück wie ein Kanaldeckel wirkt. Eingebaut in einen Autoschlüssel mit Keyless-Technologie wird daraus das Marquardt Intelligent Driver Authorization System, kurz: MIDAS. Es könnte der Grund sein, warum Diebe, die sich auf das Knacken von Fahrzeugen per Funkverlängerung spezialisiert haben, bald umschulen müssen.

    Sportwagenfan Michael Brochno (Name geändert) wird das allerdings nichts mehr nützen – sein knallroter Coupé der Premiumklasse ist wie vom Erdboden verschluckt. Was ist passiert? An einem warmen Sommerabend fährt er zu einem Treffen mit Freunden. Er parkt seinen Wagen wenige Meter vom Eingang des Biergartens, in dem er ein paar nette Stunden in geselliger Runde verbringt. Als er später nachhause fahren will, ist das Auto ebenso wie die gute Laune: weg! Brochno ist auch Tage später noch fassungslos: „Ich konnte es zunächst gar nicht glauben und bin erstmal die nähere Umgebung abgelaufen, obwohl ich genau wusste, wo ich den Wagen geparkt hatte.“
     

    Relay-Attacke auf Keyless-Systeme

    Während der stolze Neuwagenbesitzer vor seinem alkoholfreien Weizen saß und über den letzten Urlaub plauderte, hatten Diebe das Funksignal seines Autoschlüssels gehackt. Eine Sache von Sekunden, mit der die Täter keinerlei Aufsehen erregten. Denn die Masche ist so simpel wie effektiv: Brochnos Fahrzeugschlüssel mit automatischer schlüsselloser Verriegelungstechnik kann ständig Signale empfangen und zurücksenden. Ein Dieb, der sich in der Nähe befindet, zieht dem ahnungslosen Besitzer die kodierten Daten buchstäblich aus der Hosentasche. Mit einem selbstgebauten Funkreichweitenverlängerer aktiviert er den Schlüssel, verstärkt die Funksignale und leitet diese an einen Komplizen weiter, der sich am Objekt der Begierde aufhält. Die Fahrzeugelektronik empfängt das Signal anstatt vom Fahrzeughalter irrtümlicherweise vom Täter. Nun lässt sich die Tür bei Berührung ganz normal öffnen; die Diebe brauchen nur noch einsteigen und wegfahren. Für Brochno hätte es übrigens keinen Unterschied gemacht, wenn er statt im Biergarten in einem Restaurant gesessen hätte: Denn die Funkverlängerung funktioniert sogar durch Hauswände und geschlossene Türen.

    Sämtliche Angriffe auf Keyless-Systeme können wir schon heute effektiv abwehren.

    Wolfgang Stehle Leiter Systementwicklung Zugangs- und Fahrberechtigungssysteme

    Bisherige Keyless-Systeme messen Signalpegel und schließen über diese auf die Entfernung zum Sender. Dieser Pegel lässt sich spiegeln und verstärkt wieder abspielen. Selbst die stärkste Verschlüsselung zwischen Fahrzeug und Schlüssel kann das nicht verhindern.

    Bernd Bär Entwicklungsingenieur

    Michael Brochno ist kein Einzelfall. Untersuchungen des ADAC an über 180 Fahrzeugmodellen belegen: Viele Autos mit dem Komfort-Schließsystem „Keyless“ sind deutlich leichter zu stehlen als Fahrzeuge mit normalem Funkschlüssel. In einem Versuch konnten alle mit Komfort-Schließsystemen ausgestatteten Autos sekundenschnell geöffnet und gestartet werden. „Die Autohersteller sind in der Pflicht. Ein teureres Schließsystem darf nicht deutlich einfacher zu knacken sein als serienmäßige Fernbedienungschlüssel“, so das Fazit des Automobilclubs.

    Die Lösung gibt es von Marquardt

    Eine serienreife Lösung für das Problem liegt bei Marquardt bereits auf dem Tisch. Der Global Player gilt als Technologieführer im Bereich Funkschlüssel, Bedienfelder und Batteriemanagementsysteme und hat in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und einem Schweizer Start-up das neue Produkt MIDAS entwickelt. Entwicklungsingenieur Bernd Bär, bei Marquardt für das manipulationssichere Fahrberechtigungssystem zuständig, erklärt die Herausforderung: „Bisherige Keyless-Systeme messen Signalpegel und schließen über diese auf die Entfernung zum Sender. Dieser Pegel lässt sich spiegeln und verstärkt wieder abspielen. Selbst die stärkste Verschlüsselung zwischen Fahrzeug und Schlüssel kann das nicht verhindern.“

    MIDAS misst aber nicht mehr den Pegel des Funksignals, sondern dessen Laufzeit in der Luft. Dazu nutzt das System eine Eigenschaft von Funkwellen: Sie breiten sich in Lichtgeschwindigkeit aus. „Kein Angreifer kann Funkwellen schneller als in Lichtgeschwindigkeit übertragen. In Kombination mit einer geeigneten Verschlüsselung ist das schlichtweg zu schnell, um über eine Relay-Attacke künstlich verlängert zu werden“, erklärt Wolfgang Stehle, Leiter Systementwicklung Zugangs- und Fahrberechtigungssysteme der Marquardt Gruppe. „Dadurch können wir sämtliche Angriffe auf Keyless-Systeme effektiv abwehren!“ Der Clou: Die Geheimwaffe gegen Autoknacker steckt in einem vier Quadratmillimeter großen Chip, der sich bequem in dem winzigen Bauraum eines Fahrzeugschlüssels integrieren lässt und hat einen so geringen Energiebedarf, dass er keine zusätzliche Stromzufuhr benötigt. MIDAS kann nicht geknackt werden, es ist das weltweit sicherste System am Markt gegen Relay-Attacken.

    „Die Auto-Hersteller sind in der Pflicht: Ein teures Schließsystem darf nicht deutlich einfacher zu knacken sein als die Serien-Funk-Fernbedienung.“
    ADAC

    Für Käufer von Autos mit Keyless-System bleibt die Hoffnung, dass die innovative Lichtgeschwindigkeitslösung aus dem Hause Marquardt bald zum Standard wird. Michael Brochno wird sich jedenfalls bei seinem Autohändler danach erkundigen – damit der nächste Biergartenbesuch nicht wieder mit einer bösen Überraschung endet.

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    Marquardt GmbH
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